Die Geschichte des Riemeke-Viertels

Was ist das Eigentümliche, das Besondere, das das Gesicht dieses Viertels bestimmt?

Sind es natürliche Besonderheiten? Wurde es durch die Architektur der ersten Bebauung geprägt?
Sind nach den Bombardements während des zweiten Weltkrieges und dem Wiederaufbau noch Züge des alten Riemeke zu erkennen und werden sie in unseren Tagen geschätzt?
Kann es gelingen, das Nebeneinander der alten Architektur und der Architektur unserer Zeit so zu planen, dass die Bewahrung des Eigenwertes der einen und der anderen Architektur erreicht wird?

Wir wollen dem nachgehen, nicht zuletzt, weil die gegenwärtig gestaltenden Menschen in die Zukunft hinein wirken.

Hausgärten und nur wenige unbebaute Grundstücke erinnern heute an die Fürstengärten außerhalb der westlichen Stadtmauer zwischen dem alten Riemekeweg (später Riemekestraße) und der Paderaue.

Die Hauptbautätigkeit begann um 1880. Die Erweiterung der Stadt nach Westen wurde notwendig, nachdem der Bau der Eisenbahnlinie von Hamm über Paderborn Altenbeken erreichte und für die Bediensteten der Bahn und der Lokomotivwerkstätten der Bedarf an Wohnungen stieg.

Nachdem die Infanteriekaserne an der Elsener Straße 1899 und die Husarenkaserne an der Moltkestraße (jetzt: Rathenaustraße) 1904 erstellt worden waren, suchten auch die Bediensteten des Militärs Wohnungen in der Nähe ihrer Dienststelle.

Die Stadt Paderborn stellte 1883 für das Riemekeviertel einen Bebauungsplan auf. Dieser Bebauungsplan war der erste, der für ein Gebiet außerhalb der mittelalterlichen Mauern aufgestellt wurde.
Das Gesicht des neuen Stadtviertels wurde durch die Architektur des Historismus geprägt, also durch eine Epoche der Baukunst in Deutschland, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann und in den 1920er Jahren ausklang.

Die Baumeister dieser Zeit gestalteten im Sinne des Historismus mit Elementen der Baukunst der vorausgegangenen großen Kunstepochen, nämlich der Romanik, Gotik, Renaissance, des Barock und Klassizismus. Sie hatten nicht die Absicht, Bauwerke der Vergangenheit zu kopieren. Sie suchten vielmehr etwas Neues, Umfassendes zu gestalten, das dem einzelnen Gebäude etwas individuelles, Verfeinertes verleihen sollte.

Auch die Häuser einer Häuserzeile erhielten ein individuelles Gesicht. Diese Gestaltungsabsicht bekam ihren Anstoß von der Romanik, einer geistigen Bewegung von etwa 1790 bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Romantiker suchten die Tiefe des Universums und des Individuums mit der Kraft des Fühlens auszuloten. Ihre Bewegung beeinflusste alle Kulturbereiche. Eine Rückwendung zur Baukunst vergangener Epochen, insbesondere der Gotik, führte zur intensiven Beschäftigung mit den Ausdrucksmitteln der alten Meister.

Es ist interessant, die Elemente der großen Epochen der Baukunst in den Straßen des Riemeke zu entdecken. Das ist nicht einfach, weil die Übergänge von einem Stilelement zum anderen fließend sein können. Einige Gebäude zeigen auch Elemente des Jugendstils und des Heimatstils.

Der Name ist Ausdruck des Eigentümlichen, Besonderen des Viertels. In einer Urkunde von 1319 werden die Rimbekerquelle und der Riembekerbach erwähnt.

Beke (beki“ im Altsächsischen) bedeutet Bach. „Rim“ bedeutet „rinnen“. Der Riemekebach ist demnach ein Gewässer, das aus dem Riemekekolk „rinnt“. Heute sagen wir: Der Riemekebach entspringt aus einer Anzahl Quellen im Riemekekolk. Der Bach wurde insgesamt verrohrt. Er mündet in die Pader.

Eigentlich müssten der Riemekekolk und der Riemekebach Riemekepader heißen. Die Quellen in der Innenstadt und im Riemekeviertel entspringen an derselben Quellenlinie. Sie haben dieselben geohydrologischen Voraussetzungen.

Das Wasser, das ganzjährig aus dem Riemekekolk floß, war klar. Darum konnte zwischen dem Riemekekolk und der Bleichstraße eine Bleichanlage entstehen. Die Bleiche wurde nur im Sommer betrieben.

In einem Kataster aus dem Jahre 1892 wird der Weg, der von der Riemekestraße zur Bleiche führte, bereits Bleichweg genannt. Die alte Bleiche war bis Anfang der 30er Jahre noch in Betrieb.

Voraussetzung der Bleiche war auch der Abfluß des Kolkes in östlicher Richtung. Mit dem Wasser aus dem Bach konnte die auf dem Rasen des Bleichgeländes ausgebreitete Wäsche besprengt und nach der Bleiche gespült werden.

Da der Bereich, in dem die Imadstraße entstand, ansteigt, musste der Bach – der Neigung der Bleichstraße folgend – nach Norden fließen. Er überquerte das Gelände, das heute Jahnplatz heißt, durchfloss den Garten der Gerberei Sandhage, versorgte die Gerberei mit Wasser und mündete in die Pader.

Bei der Verrohrung des Baches ab Neuhäuser Straße wurden der Lauf und die Mündung des Baches etwas verlegt. Die Mündung befindet sich heute rechts der Brücke Fürstenweg.

 

 

Quellen:
Text: Annemarie Bentler
Fotos: Riemeker

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